Tüten nach Amazonien

Lesezeichen BuchhandlungWieso fällt es eigentlich so schwer, diese kleinen Gewohnheiten zu ändern? Jeder weiß es, ich weiß es und doch… Bequemlichkeit besiegt schlechtes Gewissen.

Wie viele von diesen Plastiktüten, die ich in meinem Leben bereits genutzt habe, schwimmen jetzt eigentlich im Meer? Plastic Islands, so heißen die in den Ozeanen schwimmenden riesigen Felder aus PET-Flaschen, Tüten, Kanistern und Co. Es gibt fünf davon und eine – so groß wie Mitteleuropa – treibt zwischen Hawaii und Amerika. Ihr Gewicht?

Rund drei Millionen Tonnen. Und das schlimme ist: Die Müllberge bekommen täglich neues Futter. Dafür sorgen die globalen, kreisenden Wind- und Meeresströmungen, die alles Plastik, was in das Meer gelangt, den fünf Plastikinseln zuführen.

Jeden Tag verenden zahlreiche Tiere elendig am Kunststoff und er ist unkaputtbar. Er wird mit der Zeit nur kleiner und kleiner und kleiner. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kleinteile meiner Plastiktüten bereits in meinem Magen gelandet sind. Dann kann ich sie ja eigentlich auch gleich behalten und brauch‘ sie nicht entsorgen! Oder es eben ganz sein lassen.

Letztens war es endlich soweit. Erster Schritt: In eine bekannte Drogeriekette gelaufen und zig Stofftüten gekauft. Optisch zwar kein Highlight und ein wenig klein, aber egal. In jeder Tasche und jedem Rucksack verschwand mindestens eine von ihnen. Ein Blick in meine Sammelbox für Plastiktüten: nur noch zwei drin. Gut, die bleiben da auch. Für alle Fälle.

Als ich das erste Mal nach dem Stofftütenkauf im Laden war, schwupps! Bevor ich reagieren konnte, landetet mein Einkauf in einer schönen grünen Plastiktüte. Mist! Ich war zu langsam. Und die Tüte zurückgeben? Nein, das wollte ich der Verkäuferin nicht antun. Dann eben das nächste Mal. Und da klappte es. Ich musste mir nur eine Strategie zurechtlegen. Gleich beim Bezahlen sage ich: „Bitte keine Tüte“ und hole stattdessen meinen Ersatz hervor.

Ein tolles Gefühl! Das war übrigens bei Leuenhagen & Paris auf der Lister Meile, wo ich mir ein bestelltes Buch abholte. Übrigens mein zweites gutes Gefühl! Wo ich nun bei einer weiteren Angewohnheit war, die mir spätestens nach Günter Wallraff sauer aufstieß. Wieso kaufe ich eigentlich neue Bücher bei einem Riesen im Internet, wenn ich den Buchhandel hier in Hannover unterstützen kann? Wieder so ein Gewohnheits-Bequemlichkeitsding.

Also verließ ich die magisch anziehende Website, jedoch nicht ohne das Angebot „Blick ins Buch“ zu nutzen und ein paar Rezensionen zu lesen. Der Riese weiß schon, was gefällt. Dann dreh‘ ich die Masche eben um, informieren, woanders kaufen. Eine bekannte Suchmaschine (sollte ich das eigentlich auch noch ändern?) bemüht, um herauszufinden, ob der Buchhandel um die Ecke das Buch ebenfalls führt.

Und siehe da: Es gibt einen Online-Shop, kurze Anmeldung, Lieferung gleich nächsten Tag in das Geschäft und das mit demselben Preis. Als ich der Verkäuferin meine gute Tat gestand, drückte sie mir dieses nette Lesezeichen in die Hand… Da war erstmal ’ne Runde Lachen angesagt.

Autor: Fotohabitate

"Vielfalt ist meine Leidenschaft!" - "Diversity is my passion!"

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