20 Sekunden

Silhoetten von Kirchtürmen und Mensch
Abendstimmung auf der Karlsbrücke. Die Einsamkeit täuscht.

20, 19, 18, 17… Die Wartenden schauen gespannt auf die Anzeige. 3, 2, 1 los!! Hektische Schritte, keine Zeit zum Trödeln. Kaum hat die Masse die andere Straßenseite erreicht, springt die Ampel auch schon wieder auf rot.

Touristen warten an einer AmpelIch lasse mich vom dichten Gedränge mitnehmen, eingetaucht in ein gewaltiges Stimmenmeer unterschiedlichster Sprachen. Über 5 Mio. Besucher im Jahr. Gefühlt sind sie alle heute in der Stadt und sie alle scheinen das gleiche Ziel zu haben. Ich bin auf der Pulsader Prags, der Karlsbrücke. Die als Weltkulturerbe geschützte Steinbrücke aus dem 14. Jahrhundert ist ein Touristenmagnet und ein Tummelplatz für Künstler und Musiker. Auf ihr gelangt man zur Mala Strana und dem Prager Burgberg.

Brücke mit Figuren in schwarz-weiß
Blick vom Kafkamuseum an der Westseite der Moldau.
Stellwand mit Portraitbildern
Neben Schmuck werden v.a. Bilder – auch Selbstportraits – angeboten.
Touristen auf einer Brücke
Auf dem Weg zum Prager Burgberg.
Aussicht auf eine Stadt
Der Aufstieg zur Prager Burg wird mit einer weiten Sicht auf die Altstadt mit Karlsbrücke belohnt.

30 Heiligenfiguren auf Podesten säumen die Brückenränder der Karlsbrücke. Viele von ihnen sind Repliken. So auch die Heilige St. Anne. Seit 1999 umarmt sie in hellem Sandstein wiedererweckt die Jungfrau Maria und hält das kleine Jesuskind.

Heiligenfigur mit Jesuskind und der Jungfrau Maria
Auch den Tauben scheint das Plätzchen bei St. Anne zu gefallen.

Das stark angewitterte Original vom Bildhauer Mathias Wenzel Jäckel stammt aus dem Jahr 1709. Zusammen mit fünf anderen Originalstatuen der Karlsbrücke steht sie abgeschieden und dunkel in Gorlice, dem Endpunkt einer Kasematte der Festungsanlage Vyšehrad. Der unterirdische 13 m hohe und 330 m² große Raum wurde vor seiner Öffnung für Besucher zuletzt als Getreidelager genutzt. „Die Stromleitungen sind noch original die ersten!“ , versichert uns unsere Führung auf dem Weg durch den dunklen Gang, der einst zum Versammeln der Truppen diente. Von oben tropft Wasser auf unsere Köpfe. Es ist herrlich kühl und geschützt vom Sommergewitter setzen wir vorsichtig unsere Schritte auf den schlüpfrigen Boden. Nach etwa 100 m sind wir da. Das Licht geht an und wir genießen die morbide Atmosphäre.

Heiligenfiguren in alten Gemäuer
Neben der über 300 Jahre alten St. Anne steht die gleichaltrige Originalstatue des St. Bernhard, ebenfalls von M. W. Jäckel.

Die Burg Vyšehrad stammt aus dem 10. Jahrhundert und gilt als Wurzel der Stadt Prag. Südlich der Neustadt thront sie hoch auf einem Felsen mit Sicht auf den Prager Burgberg (Hradschin) westlich der Moldau und auf die gegenüberliegende Altstadt. Der Blick Richtung Osten auf eine Schnellstraße und die weit bis zum Horizont reichende Bebauung lässt die wahren Ausmaße der Stadt erahnen.

Brücke über Straßenzügen
Blick auf das Hotel Union und die Schnellstraße.

Nach dem Pflichtprogramm von Prag mit Altstadt, Judenfriedhof, Hradschin und Petrin Turm haben weit weniger Besucher noch Zeit für den Vyšehrad. Dabei hat die Anlage neben viel Ruhe einiges zu bieten. Ein Highlight neben der St.-Peter-und-Paul-Kirche und der weiten Gartenanlage ist der pompöse Ehrenfriedhof. Hier liegen etwa 600 Persönlichkeiten begraben, darunter die Komponisten Smetana und Dvorak. Nachdem wir am Eingangsgatter ein etwas skurriles Verbotsschild passieren, empfängt uns ein Eldorado an Bildhauerei.

Verbotsschilderwand

Statue schaut in Gang
In Arkadengängen sind beeindruckende Grabmäler und Statuen aneinander gereiht.
Vogel auf Engelflügel
„On the top.“ Der Engelflügel gehört zum Slavin, einem monumentales Grabmal nationalen Größen auf dem Friedhof Vyšehrad.

Zurück geht’s mit der Tram in die Altstadt und in den Trubel. An der Astronomischen Uhr stehen wieder zahlreiche Neugierige und warten auf den Schlag zur vollen Stunde. Auch wir schließen uns an und starren an die Steinwand des im gotischen Stil erbauten Altstädter Rathauses. Pünktlich zeigen sich in den beiden Fenstern alle zwölf Apostelfiguren. Nach dem Schauspiel wackelt der goldene Hahn mit seinen Flügeln und die Turmglocke schlägt die Stunde. Es ist 21.00 Uhr, Zeit die müden Beine auszuruhen.

Rathaus mit astronomischer Uhr
Die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus.
Astronomische Uhr mit Figuren
Die aus zwei Teilen bestehende Uhrenportal stammt aus dem Jahr 1410. Der obere Teil auf dem Bild zeigt die Umlaufbahn von Sonne und Mond.
Apostelfiguren in zwei Fenstern an Fassade
Noch nicht mal eine Minute dauert das Schauspiel.
Sicht auf Menschenmenge
Perspektivwechsel – Blick auf das Gewimmel an der Uhr.

Autor: HannoverblickOst

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2 Kommentare zu „20 Sekunden“

  1. Danke Maren, diese Stadt ist auch einfach wunderschön!! Man braucht nur starke Nerven. Der Trubel ist einfach enorm. Aber es gibt tatsächlich auch ruhige Ecken wie der Vyšehrad. Man muss nur wissen wo! Schönes WE!

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