Mittendrin

A-HBO-0188-wilseder-berg-lueneburger-heideEigentlich braucht man bei diesem Anblick vom Wilseder Berg in ein Meer aus lila Blüten gar nichts anderes zu schreiben als: „Macht Euch auf die Wandersocken und genießt diese herrlich blühende Heide!“

Nachdem wir Tags zuvor im Pietzmoor und der Osterheide schon einen kleinen Vorgeschmack auf lila bekommen haben, waren wir in freudiger Erwartung auf mehr. Von Undeloh mitten in der Lüneburger Heide geht eine attraktive 15 Kilometer lange Rundwanderung über den Wilseder Berg, das Museumsdorf Wilsede und den Totengrund zurück nach Undeloh. Ob wir auch Heidschnucken sehen werden?

A-HBO-0193-weg-blühende Heide-luenebuger-heideNach einem leckeren Frühstück mit zahlreichen Sorten selbst gemachter Marmeladen und frischem Obstsalat starteten wir direkt vom Landhaus Heideschmiede. Genau das liebe ich, kein Busfahrplan, keine Anfahrtswege, einfach los, wann immer man will. Eben mittendrin. Ein Grund, warum für mich ein Standort wie Undeloh so attraktiv ist.

A-HBO-0184-undeloh-waldweg Unser erstes Stück der Wanderung führte durch Kiefernwald. Solche Aufforstungen mit Nadelgehölzen findet man häufig in der Lüneburger Heide. Sie sind Zeugen einer aufgegebenen Heidewirtschaft, die im 19. Jahrhundert zunehmend unrentabel wurde.

Der Waldboden war noch feucht und in den Senken hatte sich der Regen der vergangenen Nacht gesammelt. Bis auf das Rauschen in den Wipfeln war es still. Wie beruhigend für unsere Städterohren!

A-HBO-0185-undeloh-wanderung-lueneburger-heideWir erreichten den Waldrand und ein herrlich aromatisch-süßer Duft wehte uns entgegen. Genau so hatten wir uns das erhofft: Heide so weit das Auge reichte. Eine Komposition aus gelb, lila und grün, eingerahmt von den glühend roten Blätter der Heidelbeerbüsche. Nur das mit dem blauen Himmel klappte noch nicht so ganz.

Einige der skurril gewachsenen Wacholderbäume wirkten wie grüne Gespenster so wie sie ihre Äste in den Himmel reckten. Sicherlich unheimlich, hier bei Nacht und Nebel lang zulaufen.

A-HBO-0186-wacholder-undeloh-lueneburger-heideIn der Ferne sah man bereits den Wilseder Berg. Nun ja, eigentlich eher ein Hügel mit seinen gerade mal 169 Meter, aber nun mal die höchste Erhebung in der Norddeutschen Tiefebene. Und tatsächlich, es ging nun stetig aufwärts.

A-HBO-0187-wilseder-berg-lueneburger-heide-wanderungEntstanden ist der Wilseder Berg in der vorletzten Eiszeit. Er blieb als Endmoräne zurück, als sich das Eis wieder zurückzog. Und er ist einer der ersten Flächen, die der VNP (Verein Naturschutzpark) Anfang des 20. Jahrhunderts aufkaufte, um die Heideflächen zu erhalten, die immer mehr in Wald und Ackerland umgewandelt wurden. Zusammen mit dem Totengrund war er der Grundstein und die Keimzelle des heutigen Naturparks Lüneburger Heide.

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Highlight Totengrund: Totenweg oder unfruchtbarer Grund?

Der Name Totengrund ist schaurig und gibt Anlass zur Spekulation. Trugen damals die Wilseder Bauern ihre Toten durch das Tal, um zum Friedhof zu gelangen? Oder ist der Name einfach nur abgeleitet von „toter Grund“, weil in dem wasserarmen und daher unfruchtbaren Talkessel nur die genügsamen Heidepflanzen und Wacholderbüsche wachsen?

Nun ja, vielleicht sind ja beide Möglichkeiten richtig, das wird man wohl nie so ganz klären können. Eindeutig ist jedoch, dass die Umrundung auf seinen bis zu 40 Meter hohem Rand immer wieder grandiose Blicke in das trockene Heidetal bietet.

A-HBO-0190-heidschnucken-totengrund-lueneburger-heideWas für eine herrliche Wanderung, auch wenn die Sonne noch immer nicht so richtig wollte! Und das I-Tüpfelchen zu diesem Tag blökte uns schon an der Weggabelung nach Wilsede entgegen. Eine Herde Heidschnucken hatte es sich im Schatten der Eichen bequem gemacht.

A-HBO-0191-heidschnucken-totengrund-lueneburger-heideOhne diese fleißigen Helfer gäbe es keine Lüneburger Heide. Heidschnucken lieben das Heidekraut und schnökern (naschen) was das Zeug hält. Baumaufwuchs und andere Pflanzen werden gleich mit verspeist. Dadurch bleibt die Vegetation offen und der Boden nährstoffarm. Beste Voraussetzungen für die Heide und alle Tiere, die auf sich auf diese Kulturlandschaft spezialisiert haben.

Übrigend lebten hier einst auch Braunbär, Elch und Wisent. Heute noch zu sehen im Wildpark Lüneburger Heide, nur rund 10 Kilometer von Undeloh entfernt. Ein sehr sehenswerter Tierpark mit vielen Jungtieren. Für mich ein absoltes Highlight: die 12 kleinen Polarfüchse. Unglaublich süß!

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Wir erreichten Wilsede, das Museumsdorf, das wir anfangs erstmal links liegen ließen. Zeit für einen Kaffee und einen großen Becher mit Vanilleeis auf frischen Blaubeeren. Und wie bestellt, kam nun endlich auch die Sonne hervor und schien uns in unsere glücklichen Gesichter.

Wer keine Lust mehr hat nach Undeloh zurückzulaufen, der kann sich von hier aus die letzten Kilometer schenken und stattdessen die Kutsche nehmen. Aber die Landschaft ist eigentlich viel zu schön, als sie unter der Plane zu verbringen. Und so rafften wir unsere müden Beine auf, drehten noch eine Runde durch das Museumsdorf und machten uns auf den Rückweg.

Weitere Infos:
Undeloh
Museumsdorf Wilsede
Wissenswertes zum Naturpark Lüneburger Heide

GPS Rundwanderung Undeloh – Wilseder Berg – Totengrund – Wilsede – Undeloh (hier ab Hotel Heiderose, ohne Umrundung Totengrund)

Autor: HannoverblickOst

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12 Kommentare zu „Mittendrin“

  1. Traumhaft! Ich kenne, Wilsede und Undeloh nur im Mai. Da war es auf andere Art traumhaft, nämlich ausgestorben. Aber auf Deinen Bilder sehe ich jetzt natürlich, warum man die Gegend unbedingt mal zur Heideblüte sehen sollte. Und für Kurztrips bin ich ja eh zu haben 🙂

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  2. Ein schöner Bericht,überhaupt gefallen mir beide Blogs.
    Wir waren dieses Jahr auch in der Lüneburger Heide, hauptsächlich Ellerndorfer Heide und Schwindebecker Heide, sind aber aufgrund der heißen Temperaturen an die Elbe getürmt und haben somit den Undeloher Bereich nicht gesehen, bleibt dann fürs nächste Jahr.
    VG Maria

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    1. Vielen Dank, Maria! Die Lüneburger Heide ist wirklich super schön! Da will ich auch noch unbedingt einiges erwandern und entdecken. Undeloh ist sehr empfehlenswert und als ich da war auch gar nicht so doll überlaufen. Oft liegt das Gute so nahe, da muss man nicht unbedingt nach Neuseeland! 😉

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  3. DIe lila Blüten sind ja ein Traum! Ich war vor etlichen Jahren auf einem Schulausflug dort. Aber als Kind weiß man die Natur gar nicht so richtig zu schätzen. Würde gerne nochmal dort wandern gehen! 🙂

    Liebe Grüße,
    Kaja

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