Im Reich von Friedrich

a-hbo-0194-bracciano-bueste-schloss-sanssouciFriedrich der Große liebte die Kunst und das Außergewöhnliche. Nur so lässt es sich erklären, dass uns beim Weg zu seinem legendären Schloss Sanssouci nicht sein Bildnis, sondern das eines für ihn wohl ganz besonders geschätzten Kunstkenners des 17. Jahrhunderts entgegenblickte. Gleich vor der großen Fontaine im Park steht die Büste des Italieners Paolo Giordano II. Orsini, Herzog von Bracciano.

Lange steht der schnittige Bartträger dort noch nicht. Erst dieses Jahr durfte die Büste aus edlem Porphyr nach 70 Jahren wieder zurück an ihren Platz. Edel deshalb, weil Porphyr in römischer und konstantinischer Zeit wegen seiner purpurnen Farbe nur den Kaisern zur Verwendung vorbehalten war.

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Schloss Sanssouci – Schloss ohne Sorgen

Überhaupt ist in Potsdam vieles ziemlich edel und trumpft mit reichlich Prunk und Pomp auf. Aber genau deshalb fährt man ja auch hin. Wo sonst gibt’s denn auch so viele Schlösser, Paläste und Prachtbauten auf einem Fleck? 30 Highlights gibt es in der Landeshauptstadt von Brandenburg und Umgebung zu entdecken.

Das kann stressig werden, vor allem bei 35 Grad! Die Sonne meinte es aber auch wirklich zu gut mit uns die vier Tage Ende August. Jeden Morgen ein Blick in den blauen Himmel und die Frage: „Darf es noch ein paar Grad mehr sein?“

a-hbo-0207-sperling-parkAber nicht nur für uns dauerhitzeentwöhnte Norddeutsche war das eine Herausforderung. Auch sonst lief und flog irgendwie alles einen Tick langsamer als gewohnt.

So stellte sich bei unserer Stadterkundung nicht die Frage nach dem kürzesten Weg, sondern die, wo der meiste Schatten ist. Also ab in den mit großen Bäumen bestandenen Park Sanssouci. Der war ja sowieso gleich als erstes auf der Wunschliste und die Schlösser und Gebäude versprachen hinter dicken Mauern angenehme Kühle.

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Schloss Sanssouci mit seiner Treppe zwischen den sechs geschwungenen Weinterrassen

Ganz oben im Kurs standen das Lustschloss Sanssouci, das Wahrzeichen Potsdams, und das Neue Palais. Doch da so einfach bezahlen und reinspazieren? Weit gefehlt! Die Anzeigetafel am Eingang von Sanssouci zeigte die noch zur Verfügung stehenden Tickets an.  Führungen nur nach festgelegten Zeiten, auch die mit Audioguide.

Auf meine Frage, ob dies auch im Neuen Palais der Fall sei, hielt mir die eifrige Dame den Flyer „Preußische Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg“ unter die Nase, und es folgte ein schnelles Staccato von Informationen, wo und wann man welche Gebäude mit und ohne feste Führungszeiten den Tag so überhaupt besuchen kann. Wie gesagt, 30 an der Zahl!

Doch das alles wollte ich doch gar nicht wissen! „Und das Neue Palais?  Muss ich dafür jetzt schon die Führung buchen, um heute überhaupt noch reinzugelangen?“

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Neues Palais – Friedrichs Prunkbau für seine Gäste

Und wieder ein Redeschwall, der – wohl der steigenden Hitze geschuldet – irgendwie nicht mein Hirn erreichen wollte. Mit Blick auf die stetig schrumpfende Anzahl der Tickets zur nächsten Führung, unterbrach ich entschlossen: „Da, die letzten zwei, die nehmen wir!“ „Die um 12.30 Uhr?“ „Ja! Und bitte zwei Tageskarten für alles und eine Fotografiererlaubnis!“ Geschafft!

Nur als Tipp: Eine Tageskarte zu 19 Euro berechtigt zum Eintritt in alle Gebäude und Schlösser und lohnt bereits, wenn man nur Schloss Sanssouci und das Neue Palais besuchen will (zusammen 20,- Euro). Am besten vorher bei der  Stifung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). recherchieren, was man unbedingt sehen möchte und ob zwingend Führungen genommen werden müssen. Auf der Website kann man auch vorbuchen.

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Pavillion zwischen Schloss Sanssouci und Bildergalerie

Wir hatten noch Zeit bis zum Einlass und schauten uns dann erstmal die umfangreiche Bildergalerie von Friedrich dem Großen gleich neben seinem Lieblingsschloss an. In dem in gold getauchten Galeriebau – übrigens der älteste noch erhaltene fürstliche Museumsbau in Deutschland – werden viele Werke berühmter Künstler gezeigt, darunter Gemälde von Rubens, van Dyck und Caravaggio. Alle dicht an dicht. Ein Eldorado für Kunstliebhaber. Die Entführung der Europa hatte es mir besonders angetan.

„Nur fotografieren, nicht veröffentlichen!“, so steht es sinngemäß auf dem Bändchen der Fotografiererlaubnis (3 Euro) und gilt für alle Innenaufnahmen. Einen kleinen Eindruck des 80 Meter langen herrlichen Raums erhält man aber hier in einem Bericht des Tagesspiegels. Und live anschauen sollte man sich das wirklich unbedingt. Es lohnt!

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Typische Sichtachse – Blick von der Hinterseite des Schlosses zum Ruinenberg

Aber auch wer nicht in die Schlösser und Bauten gehen möchte, allein der frei zugängliche 287 Hektar große Park im barocken Stil ist ein Genuss. Sein jetziges Gesicht mit den vielen typischen Sichtachsen erhielt er durch den Gartenkünstler Peter Joseph Lenné.  Im 19. Jahrhundert gestaltete er ihn  nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten um. Seit 1990 steht die gesamte Anlage als Welterbe unter dem Schutz der UNESCO.

Und bei einem fast 70 Kilometer langen Wegenetz kann man sich über fehlende Erkundungsmöglichkeiten wirklich nicht beschweren. Am besten man besorgt sich einen Übersichtsplan bei der Touristeninformation.

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Die Historische Mühle im Schlosspark Sanssouci ist eine Rekonstruktion einer Galerieholländerwindmühle.

Schon ein Gang an der zwei Kilometer langen Hauptallee, die das Neue Palais mit dem Obeliskportal am Osteingang des Parks verbindet, gibt immer wieder interessante Sichtachsen frei. So auch auf die Historische Mühle, die Friedrich der Große errichtete, nachdem er an gleicher Stelle die alte Bockwindmühle abreißen ließ.

a-hbo-0208-chinesische-haus-park-sanssouciEin Highlight im Park Sanssouci ist definitiv auch das Chinesische Haus. Nicht nur die Außenfassade des Gartenpavillions mit den vielen goldenen Figuren ist prächtig. Durch die Fenster strahlte kräftig die Mittagssonne und tauchte den reich verzierten Innenraum aus Stuck, Marmor, Blattgold und filigranen Deckenmalereien in leuchtende Regenbogenfarben aus blau-grün und gelb-orange.

In dieser zauberhaften und einmaligen Atmosphäre wirkten die drei märchenhaft gestalteten Kleidungsstücke der Berliner Künstlerin Tina Cassati wie aus einer anderen Welt. Bilder und Informationen zu ihrem aktuellen Projekt „Giardino di Arte“ (Garten der Kunst) und einen Blick in den Innenraum des Chinesischen Hauses gibt es hier.

a-hbo-0209-chinesische-figuren-chinesisches-haus-sanssouciUnweit des Chinesischen Hauses liegen die Römischen Bäder. Sie wurden von Friedrich Wilhelm IV geplant, ganz nach italienischem Vorbild. Richtig benutzt wurden sie wohl nie, sehenswert sind sie auf jeden Fall.

Nach einer Erfischung im Cafe gleich nebenan, starteten wir zu unserer letzten Station, dem Neuen Palais mit seinem frisch restaurierten Marmorboden im Friedrichssaal. Unglaubliche 600 Quadratmeter Grundfläche bei 16 Meter Höhe umfasst der Raum! Rund 90 Tonnen wiegt der sieben Zentimeter dicke Steinboden!  Dieses Video vom Tagesspiegel Potsdam zeigt eindrucksvoll den in Europa einmalig schönen Saal!

Ebenfalls saniert wurde die unter dem Marmorsaal liegende Grotte. Jeder, der damals was auf sich hielt, hatte eine Grotte. Man wollte seine Gäste beeindrucken und da war Friedrich der Große keine Ausnahme. Die Grottenwände strotzen daher vor Muscheln, Schnecken, unzähligen Mineralien, Edel- und Glassteinen. Auch vom Grottensaal gibt’s eine Bildergalerie, diesmal von der Märkischen Allgemeinen.

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In den Fenstern der Universität Potsdam spiegelt sich das Neue Palais

Hinter dem Neuen Palais befindet sich übrigens ein Campus der Universität Potsdam. In dem historischen Gebäude sind Teile und Fakultäten der Hochschule untergebracht. Nicht nur für uns ein willkommendes Schattenplätzchen.

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Mittlerweile war Abend geworden. Unsere Füße taten weh und wir wollten nur noch eines: Im Schatten sitzen und ein gutes Essen genießen. Beides gelang mit einem herrlichen Blick auf das Brandenburger Tor, das sich im Abendlicht golden verfärbte.

Und wie man sieht, auch hier gibt es eine prägnante Sichtachse, die Brandenburger Straße. Sie ist der Potsdamer „Boulevard“ und reicht bis zur Kirche St. Peter und Paul beim Holländischen Viertel.

Mehr dazu und weitere Potsdamer Highligts folgen im nächstes Artikel.

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Weiterführende Informationen kompakt:
Schlösser und Gärten in Potsdam: Stifung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)
Potsdam Tourismus
Potsdam Weltkulturerbe
Künsterin Tina Cassati

Fotos Bildergalerie Sanssouci
Fotos Chinesisches Haus, Projekt „Giardino di Arte“ 
Foto und Video Marmorsaal
Fotos Grottensaal

Rechtlicher Hinweis: Alle Bilder des Parks Sanssouci in diesem Artikel dienen ausschließlich für die redaktionelle Nutzung. Sie dürfen nicht für gewerbliche Zwecke kopiert und genutzt werden. Die Zustimmung zur gewerblichen Nutzung liegt ausschließlich bei der SPSG.

Autor: HannoverblickOst

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12 Kommentare zu „Im Reich von Friedrich“

  1. Ach, wie toll. Und wie kompliziert. Ich habe im Oktober einen mehrtägigen Job in Potsdam und dachte eigentlich, ich spaziere zum Feierabend mal nach Sanssouci – doch das scheint ja gar nicht so einfach zu sein. Danke für den Tipp mit der SPSG. Und liebe Grüße, Stefanie

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    1. Guten Morgen Stefanie, als ich vor ein paar Jahren das erste Mal in Potsdam war, spazierte ich auch einfach so los. Es war Montag und die Schlösser zu. Es war ganz entspannt und dennoch habe ich recht viel gesehen. Etwas stressig ist das diesmal wirklich durch diese festen Führungstermine gewesen. Und natürlich auch durch die extreme Hitze. Potsdam ist ein Juwel. Ich muss unbedingt noch mal hin und die Sachen anschauen, die ich noch nicht gesehen habe. Es wird Dir gefallen! 🙂

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    1. Ja, Potsdam hat viele solcher unglaublichen Bauten. Der „Alte Fritz“ war ziemlich aktiv 😉 Und was an der Stadt so toll ist: viele Gärten, viele Seen. Für Dich als Naturliebhaberin ein sicher attraktives Städteziel!LG Simone

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    1. Danke Dir!! Das freut mich sehr, dass ich bei meiner Vermutung über Cassati bei Dir richtig lag! 🙂 Ich kannte die Künstlerin namentlich vorher nicht. Ihre Werke haben mich wirklich richtig beeindruckt. Insbesondere ihre neue Serie „Giardino di Arte“ ist einfach umwerfend schön. Und die Kombination der Roben in dem Chinesischen Haus …. schwärm! 😉 Noch bis zum 31.10.2016 zu sehen. Vielleicht schaffst Du es ja bis dahin nach Potsdam. LG Simone

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  2. Aber zumindest kann man den Park ohne Bezahlerei betreten. Das soll ja anderswo nicht so sein 😉
    Das Brandenburger Tor in der Abendsonne ist ja wirklich goldig. Das sieht gleich völlig anders aus.

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    1. Ja, der Park an sich ist kostenfrei. Allerdings nicht der Volkspark. Das war für mich schon irgendwie irritierend bei der Eingangspforte vor einem Ticketautomaten zu stehen! 🙂

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  3. Liebe Simone,
    deine Fotos sind wirklich einmalig!
    Ich war auch im August in Potsdam, allerdings Anfang August bei moderaten frühlingshaften Temperaturen. Und ich muss zugeben, deine Fotos sind besser als meine. Beim Vorbuchen und Schlangestehen reiht sich Potsdam tatsächlich in die europäischen Städte wie Florenz, Rom, Amsterdam ein, wo man in einige Museen auch nur mit Vorbuchung reinkommt. Das ist schade, denn es entbehrt jeder Spontaneität.
    Wer den Touristenströmen im Park Sanssouci entkommen möchte, dem möchte ich den kleinen Park am Heiligen See in Potsdam empfehlen und vielleicht statt Sanssouci mal das Schloss Cäcilienhof, wo die Potsdamer Konferenz dreier Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand.

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Hamburg
    Marianne
    alleinereisenjetzt.wordpress.com

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  4. Hallo Marianne, Danke für die Blumen! Ich gebe Dir recht, dass da ein wenig von der Spontaneität verloren geht, wobei bei den vielen Touris eine Vorbuchung wohl unabdingbar ist. Also Augen zu und durch. 😉 Im Neuen Garten war ich auch, aber das Schloss Cäcilienhof haben wir uns geschenkt. Kommt später noch mal dran. Potsdam ist so eine schöne Stadt, da wartet noch einiges darauf, erkundet zu werden. Dir noch eine schöne Restwoche bei ich hoffe erträglichen Temperaturen. LG Simone

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