Ein bisschen preußische Antike

a-hbo-0216-saeulen-monopteris-ruinenberg-potsdamWer antike Bauten liebt, der darf in Potsdam keinesfalls den Ruinenberg verpassen. In einer Sichtachse vom rückseitigen Ehrenhof des Schloss Sanssouci steht auf einer Anhöhe ein sehenswertes Ensemble kunstvoll gefertigter Ruinen.

Das Arrangement hatte Friedrich der Große (Friedrich Wilhelm II) zur Verschönerung eines riesigen Wasserbassins bauen lassen. Das herabfließende Wasser sollte die große Fontaine vor dem Schloss Sanssouci  zum sprudeln bringen. Technische Probleme stoppten jedoch das  kostspielige Vorhaben.

a-hbo-0215-ruinenberg-potsdamGeblieben ist eine kunstvoll gefertigte Anlage aus mächtigen Säulen, einem Rundtempel (Monopteros) und einer Theaterwand ganz im römischen Stil.

Irgendwie erinnerte mich der Monopteros mit seinen 16 Säulen an den Leibniztempel im hannoverschen Georgengarten. Der hat zwar nur 12 Säulen, stammt aber ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert und wurde zu Ehren des Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz errichtet.

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Das Wasserbassin auf dem Ruinenberg.

Leibniz beriet die Kurfürstin Sophie von Hannover bei der Gestaltung des Großen Gartens in Herrenhausen, einem der bedeutendsten Barockgärten in Europa. Der angrenzende Georgengarten dagegen wurde wie der Schlosspark Sanssouci in Potsdam ganz im Stil der englischen Landschaftsgärten errichtet.

Übrigens war Sophie von Hannover die Urgroßmutter von Friedrich dem Großen. So schließt sich der Kreis, aber ich schweife ab.

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Die Natur erobert alles, auch in luftiger Höhe!

Es machte Spaß an dem Vormittag das Gelände zu erkunden. Es war noch nicht so heiß, der Weg führte durch Wald, und man musste von der Innenstadt auch gar nicht lange laufen. Potsdam ist sowieso so herrlich überschaubar. Dicht an dicht finden sich viele Sehenswürdigkeiten und alles ist fußläufig zu erreichen.

Aber auch die Bus- und Straßenverbindungen sind hervorragend. Touristen können zwischen mehreren Themen-Linien wählen. Da gibt’s z.B. die Schlösser-Linie, die Kultur-Linie, die Filmpark-Linie oder die Tropen-Linie. Infos hier.

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Die Theaterwand mit dem mittelalterlich wirkenden Normannischen Turm.

Nach dem Tod vom Alten Fritz, wie Friedrich Wilhelm I auch genannt wurde, verwahrloste der Ruinenberg zunehmend. Erst unter Friedrich Wilhelm IV bekam er neuen Glanz. Neben frischen Anpflanzungen und einem neuen Wegesystem ließ der König auch den Normannischen Turm bauen.

a-hbo-0219-theaterwand-normannischer-turm-ruinenberg-potsdamIch hätte den 23 Meter hohen Turm gerne bestiegen, aber leider war er geschlossen. Schade, von seinem Dach soll die Sicht auf den Schlosspark und Potsdam hervorragend sein. Aber es gibt Ersatz! Also ab zum Belvedere auf dem Pfingstberg, das mit „Potsdams schönster Aussicht“ wirbt.

So langsam nahm die Hitze zu und die Mittagssonne fing an zu stechen. Doch zum Glück war der Weg nicht allzu lang und der Pfingstberg nur 76 Meter hoch.

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Das Belvedere wurde 1863 fertiggestellt. Sein Bau dauerte rund 16 Jahre.

Das quadratische Aussichtsschloss im Stil der italienischen Renaissance wurde ganz nach den Entwürfen von Friedrich Wilhelm IV erbaut. Von den beiden Türmen hat man wirklich eine beeindruckende Aussicht, die bis nach Berlin reicht. Und von oben sieht man auch erst richtig, wie grün die Stadt und das Umland von Potsdam ist. Aber leider gilt wie im Schlosspark Sanssouci auch hier: Bei Eintritt, keine Veröffentlichung von Bildern.

Eine wahre Pracht ist das Maurische Kabinett, das sich im Ostturm (auf dem oberen Bild rechts) befindet. Bezaubernde Deckenmalereien und bunte Fliesen beherrschen den Raum, in dem man sich übrigens auch trauen kann. Also, wer noch kann und will, wende sich vertrauensvoll an den Förderverein Pfingstberg in Potsdam e.V.

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Das Pegasusplateau ist eine von vielen Rekonstruktionen.

Der Förderverein hat nach der Wende mit viel Liebe und Aufwand das im desolaten Zustand befindliche Schloss restauriert und rekonstruiert. Eine Ausstellung im Parterre zeigt, wie viel Arbeit in diesem heute so beeindruckenden Gebäude steckt.

Wunderschön ist es auch in seiner Außenansicht, wenn sich in den sonnengefluteten Decken der Arkadenbögen das Wasser aus dem Bassin des Innenraums widerspiegelt.

a-hbo-0223-belvedere-pfingsberg-potsdamVom Belvedere ist es nur noch ein Katzensprung zum Neuen Garten, der an den Heiliger See und Jungfernsee angrenzt. Auch hier gibt es zahlreiche sehenswerte Bauten, darunter das Schloss Cecilienhof, die Muschelgrotte und die nahe gelegene Borkenküche.

Die reetgedeckte runde Küche ist wirklich lustig anzuschauen. Sie wurde 1796 gebaut und wegen Baufälligkeit 1958 abgerissen. Die Borkenverkleidung der Rekonstruktion stammt von 80 Eichen. Die Küche diente damals als Kochgelegenheit für königliche Veranstaltungen im Freien.

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Apropos im Freien: Am Jungfernsee gibt’s die Meierei Potsdam mit einem tollen Biergarten. Die ehemalige Meierei aus dem 18. Jahrhundert wurde nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zur Gasthausbrauerei umgestaltet und braut nun ihr eigenes Bier. Eine Bierkarte gibt Auskunft, was man so alles an Sorten probieren kann und wie sie gebraut werden. Man kann natürlich auch fragen…

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Die Meierei Potsdam liegt idyllisch am Jungfernsee.

Ein entspannendes Plätzchen. Doch all das hoben wir uns für den letzten Tag auf. Mittlerweile hatte ich nach den ganzen Eindrücken, den vielen gelaufenen Kilometern bei 35 Grad nur noch ein Bedürfnis: Siesta im Hotel!

Mein absoluter Tipp: Das Hotel Am Großen Waisenhaus in der Nähe des Schlossparks. Das denkmalgeschützte Gebäude war ehemals eine Kaserne für Beweibte, also für verheiratete Soldaten, und wurde dann als Lazarett für Waisenkinder umgebaut.  Zentral und doch ruhig, herrliche Räume und man genießt ein wahrhaft königliches Frühstück.

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Potsadams „Boulevard“, die Brandenburger Straße, beginnt am Brandenburger Tor und endet an der Kirche St. Peter und Paul.

Nach dem Nickerchen ging’s am frühen Abend weiter. Gleich um die Ecke vom Hotel beginnt die Brandenburger Straße, die Flaniermeile Potsdams. Die charmante Straße ist gesäumt von kleinen Läden und Cafés. Ein netter Platz, von dem man dem  bunten Treiben bei einer guten Tasse Kaffee zusehen kann.

Das Brandenburger Tor markiert das westliche Ende der Brandenburger Straße und ist seit dem Abriss der damaligen Stadtmauer allein stehend. Das 1771 fertig gestellte Stadttor ist älter als das von Berlin und ähnelt einem römischen Triumphbogen. Von beiden aus führte damals die Straße in die Nachbarstadt Brandenburg und war daher namensgebend.

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Das Brandenburger Tor mit Fontaine. Dahinter beginnt der Schlosspark Sanssouci.

Wir schlenderten gemütlich die schnurgerade Brandenburger Straße  hinunter, die Kirche St. Peter und Paul immer im Blick. Kurz vor der Kirche kreuzt die Friedrich-Ebert-Straße und gibt den Blick auf das neugotische Nauener Tor frei. Neben dem Jägertor und dem Brandenburger Tor ist es das dritte der noch erhaltenen Stadttore Potsdams.

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Vom Nauener Tor führt eine Ausfallstraße in den Norden zum Ort Nauen.

Direkt daneben beginnt das zauberhafte Holländische Viertel. Friedrich I, der Vater von Friedrich dem Großen, hatte ein Faible für die Niederlande. Mit den Ziegelsteinbauten wollte er holländische Handwerker anlocken. Er verstarb jedoch schon vor der Fertigstellung und sein Sohn beendete den Bau.

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Es macht richtig viel Spaß durch das Viertel zu bummeln und ab und zu in die kleinen Läden hineinzuschauen. Hier findet man auch  Peter Kurgan in seinem Atelier. Der Künstler macht fantastische Bilder aus der Vulkanasche von Lanzarote und verschiedenfarbigen Wüstensanden, die er in einer speziellen von ihm entwickelten Technik brennt. Jedes seiner Werke ist individuell und hat eine ganz eigene Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann.

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Im denkmalgeschützten Haus Jägerstraße Nr. 39 lädt das Restaurant Juliette zum französische Gourmetessen ein.

Eigentlich wollten wir im Holländischen Viertel essen, aber wir waren zu spät dran. Die Plätze draußen waren gut gefüllt. Kein Wunder bei dem Mittelmeer-Feeling eines wundervoll lauen Abends. Also schlenderten wir zurück und verloren uns in den nicht weniger interessanten Nebenstraßen. Einige von ihnen haben denkmalgeschützte Häuser mit hübschen Fassaden so wie in der Jägerstraße.

Und natürlich fanden wir noch ein lauschiges Plätzchen zum Abendessen. Die Grillen zirpten und wir genossen im lauen Wind unter hohen Bäumen das leckere Essen und unser kühles Bier.

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Das nächste Mal…

Fazit Potsdam? Eine absolut sehenswerte und obwohl Touristenmagnet relaxte Stadt mit viel Grün und jeder Menge Kultur.

Einiges, darunter auch das Filmmuseum, blieben bei so viel Aktionsmöglichkeiten im Freien vorerst auf der Strecke. Vorerst, denn wozu gibt es denn die kühlere Jahreszeit?

Und die Zugverbindung Hannover – Potsdam über Berlin ist genial. Nur zweieinhalb Stunden Fahrt, dann kann man wieder ein bisschen preußische Antike im Reich von Friedrich genießen.

Infos kompakt
Schlösser und Gärten in Potsdam: Stifung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)
Förderverein Pfingstberg in Potsdam e.V.
Potsdam Tourismus
Touristen-Linien
Künstler Peter Kurgan
Hotel Am Großen Waisenhaus
Meierei Potsdam
Mehr zum Schlosspark von Sanssouci im Artikel „Im Reich von Friedrich.

Autor: HannoverblickOst

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2 Kommentare zu „Ein bisschen preußische Antike“

  1. Klasse, Simone, jetzt bin ich allerbestens informiert für meinen Oktober-Job. Hab zwar nur zwei Feierabende zum Rumstromern. Aber dank Dir kann ich mir jetzt ja das Beste raussuchen. Danke also; und liebe Grüße, Stefanie.

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