Verbraucht und verstoßen

a-hbo-0247-sterbende-hornisse-koenigin-eilenriedeDas Wetter am Wochenende war einfach optimal für ausgedehnte Spaziergänge in der herbstlichen Eilenriede. Gefühlt war zwar halb Hannover auf den Beinen, egal. Im Stadtwald gibt es genug verschlungene Pfade, um dort fast alleine unterwegs zu sein.

Es macht Spaß, immer wieder auch ein paar unbekannte Ecken zu entdecken. Gerade im dunklen Unterholz strahlte das Laub manchmal so grell, als ob hier jemand Tausende kleiner Lämpchen versteckt hätte.

a-hbo-0249-herbst-wald-eilenriede-hannoverIch finde, dass dieses Jahr das Herbstlaub in Hannover leider nicht so schön ausfällt. Viele der Blätter sind eher vertrocknet, als dass sie strahlend bunte Farben haben. Auch Pilze gibt es so gut wie keine. Der Sommer war einfach viel zu trocken und die Bäume haben arg gelitten.

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Dennoch ist gerade jetzt bei blauen Himmel und angenehmen Temperaturen die Eilenriede einfach herrlich. Die gelb belaubten Spitzahörner zusammen mit den orangefarbenen Blättern von Buchen und Eichen sind ein schöner Kontrast zu den noch grünen Blättern, die dem Herbst mit aller Macht zu trotzen suchen.

Vor allem die bunten Kronen der alten Bäume hatten es mir angetan und deshalb schaute ich ihnen mit dem Weitwinkel mal genauer unters Dach.

a-hbo-0252-eiche-baumkrone-herbst-eilenriede-hannoverUnd auch in schwarzweiß machen sich die efeubewachsenen alten Bäume mit ihrem teilweise skurrilen Wuchs nicht schlecht. Von denen gibt es in der Eilenriede viele, seit Altbäume und auch Totholz im Wald verbleiben dürfen.

a-hbo-0253-wald-schwarz-weiss-blaetterdachNach zwei Stunden kam ich zu einer grünen Wiese. Von denen gibt in der Eilenriede so einige. Ideale Orte zum Sonnenbaden oder auch als Hundetreffpunkt.

Die Sonne schien genau auf eine von drei Parkbänken. „Die ist meine!“ und ich lief los. Doch als ich mich gerade setzen wollte, stutzte ich. „Was ist das?“ Eine riesige Hornisse saß auf einer Holzplanke und ich hielt in meiner Abwärtsbewegung gerade noch rechtzeitig inne.

a-hbo-0248-sterbende-hornisse-koenigin-parkbank-eilenriedeVor Hornissen habe ich einen Heidenrespekt. Da sind Wespen gar nichts gegen. Auch wenn die unter Naturschutz stehenden Hornissen als friedfertig gelten, darauf ankommen wollte ich es keineswegs. Also nahm ich erstmal auf der Parkbank daneben Platz und beobachtete das über drei Zentimeter große Insekt in gebührenden Abstand. Definitiv eine Königin bei dieser Länge.

Aber irgendwas stimmte mit dem Tier nicht. Es lief aufgeregt hin und her, hielt kurz an, strich mit seinen langen Beinen über den Hinterleib und streckte ihn dann weit in die Luft.

a-hbo-0255-sterbende-hornisse-koenigin-eilenriedeHektisch lief die Königin weiter, surrte mit ihren Flügeln, doch anscheinend fehlte ihr die Kraft aufzufliegen. Es war offensichtlich, dass es ihr nicht ganz so gut ging. Und ich fühlte mich fast wie eine Frevlerin, weil ich ihr nun auch noch mit der Kamera auf den Pelz rückte.

Aber andererseits es ist nun mal der normale Lebenszyklus einer Hornissenkönigin. Nach einem Jahr hat sie ihren Dienst getan und wird von ihrem Staat verstoßen. Und warum? Weil sie immer weniger Eier legt und bereits die neue Generation von Königinnen geschlüpft ist.

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Bis zum Hochsommer hat die Altkönigin täglich rund 40 befruchtete Eier gelegt. Zugunsten der Königin haben alle Arbeiterinnen im Staat ihre Eierprodukton unterdrückt. Und falls nicht, wird das Gelege sofort von den anderen aufgefressen.

Die Königin legt befruchtete und unbefruchtete Eier. Aus den befruchteten schlüpfen neben den Arbeiterinnen auch die Jungköniginnen und aus den unbefruchteten die Männchen, die Drohnen. Die Altkönigin kann durch ihre Spermienabgabe ganz gezielt kontrollieren, wann welche der so genannten Geschlechtstiere entstehen sollen. Die Spermien trägt sie übrigens seit ihrer Paarung im Vorherbst bei sich.

a-hbo-0254-sterbende-hornisse-koenigin-eilenriede Mit dem Schlupf der Drohnen und Jungköniginnen im August/ September sind die Tage des Hornissenstaates und der Altkönigin gezählt. Sie wird immer weniger versorgt, wird attackiert, bis sie im Nest verstirbt. Vielleicht sucht sie aber auch das Weite, fliegt aus und landet zum Sterben auf einer sonnigen Parkbank.

Oder hatte ich mich geirrt? Vielleicht ist es ja ganz anders und hier ruhte sich vollkommen erschöpft von ihrem Hochzeitsflug eine frisch ausgeflogene Jungkönigin aus. Bereit für ihre Eiablage, um im nächsten Frühling einen neuen Staat zu gründen. Zeit, das zu recherchieren…

Mehr Informationen zu den Hornissen und ihrem Lebenszyklus gibt es unter http://www.muenster.org/hornissenschutz/inhalt.htm.

 

Autor: HannoverblickOst

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8 Kommentare zu „Verbraucht und verstoßen“

  1. Ich denke, es ist eine frische Hornissenkönigin. Aber Zweifel bleiben natürlich …
    Wir haben hier auch Hornissen, sie beachten mich nie, wenn ich sie fotografiere. In die Nähe Ihrer Behausung gehe ich aber lieber nicht. Im Frühling lieben sie Übrigens Berneritzenblüten, die kleinen gelben Blüten – da sind dann mitunter mehrere Hornissen gleichzeit am Busch.
    Schön auch Deine Herbstlaubfoto. Lg Maren

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    1. Ja, das denke ich auch. Ihre kleinen Härchen auf dem Körper und die heilen Flügel sprechen dafür! Na, dann hatte sie wohl gerade ein heftiges Date gehabt! 🙂

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  2. So ein Exemplar hatte ich letzte Woche in der Wohnung im vierten Stock. Ehrlich gesagt bin ich aber gar nicht auf die Idee gekommen, dass es eine Hornissenkönigin sein könnte… Sie war 2 Tage hier, am 1. Tag hörte ich nur ein lautes Brummen, aber dann versteckte sie sich wieder. Am zweiten Tag fand ich sie entkräftet in meiner Handarbeitstasche krabbelnd… zwischen Stricknadeln und Wollresten.

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