Zwiegespräch auf der Kasselburg

Gebannt starrte ich durch den Sucher meiner Kamera. Schon eine ganze Weile beobachtete ich den Falkner, der vor der herrlichen Weite der Berglandschaft stand. Auf seinem linken Arm hielt er einen prächtigen Weißkopfseeadler.

Nervös um sich blickend wippte der Vogel auf und ab und spreizte seine Flügel. Der Falkner stand still, der Blick fest auf seinen Schützling gerichtet. Nichts lenkte ihn ab in diesem Moment. Versunken, intim, ein Zwiegespräch zwischen Mensch und Tier. Ein prüfender Blick, einige gemurmelte Worte und dann griff der Falkner dem Tier an die Brust.

Alexander Rosenthal im Zwiegespräch mit seinem Schützling

Mir stockte der Atem. Was wird passieren?

Ein ungefragter Griff ins Gefieder kann ziemlich schnell mit blutigen Fingern enden. VogelkennerInnen wissen das. Es braucht viel Geduld und Sensibilität, um zu erreichen, dass ein Vogel so viel Nähe zulässt.

Der Adler senkte seinen Kopf  und öffnete leicht den Schnabel, so dass ich seine Zunge sehen konnte. Doch er stieß nicht zu. Im Gegenteil. Es schien ihm zu gefallen, wie der Falkner ihm nun leicht seine Brust kraulte. Was für ein berührender Moment, den ich hier auf der Kasselburg mit der Kamera einfangen durfte!

Die Kasselburg bei Gerolstein ist eine alte Ruine aus dem 12. Jahrhundert. Auf dem Gelände ist der Wolfs- und Adlerpark mit verschiedenen Greifen und einem Rudel Wölfe untergebracht.

Die Kasselburg sollte der krönende Abschluss meiner Wanderung auf dem  Gerolsteiner Felsenpfad sein. Der abwechslungsreiche rund 9 Kilometer lange Geo Themenpfad startet im quirrligen Gerolstein. Die Stadt liegt im Geopark Vulkaneifel und ist bekannt für ihr Mineralwasser und ihr 380 Millionen Jahre altes Kalkriff mit den markanten Dolomitfelsen.

Auf der Wanderung über das fossile Riff lohnen sich insbesondere der Ausblick auf Gerolstein vom Munterley-Plateau und der Blick in die Buchenlochhöhle. In der 2,4 Meter hohen, 4 Meter breiten und 30 Meter langen Höhle haben bereits in der letzten Eiszeit Menschen Unterschlupf gesucht.

Auf der Kasselburg angekommen, hatte ich noch einige Zeit bis zur Flugshow und anschließenden Wolfsfütterung. Der Himmel war wolkenverhangen und aus den grauen Wolken fing es zu nieseln an.

Es störte mich nicht, ganz im Gegenteil. Es war genau die passende Stimmung für die Erkundung einer alten Burg. Doch zuerst erhaschte ich einige Blicke auf die schwarzen Timberwölfe, die unterhalb der Ruinenmauer ihr 10 ha großes Freigelände haben. Es ist eines der größten Rudel Westeuropas. Was für schöne Tiere!

Das Wahrzeichen der Kasselburg ist ihr 37 Meter hoher Doppelturm. Der Tor- und Wohnturm entstand erst rund 250 Jahre später als sein benachbarter Wehrturm und ist für BesucherInnen zugänglich.

Von oben genießt man einen wunderbaren Blick auf die durch Vulkantätigkeit gebildete Eifellandschaft.

Das alte Gemäuer mit seinen spinnenverhangenden Fenstern, der Wendeltreppe und den alten Steinen waren so ganz nach meinem Geschmack.

Hier haben die Menschen also gewohnt. Das ist für unsere heutigen Verhältnisse fast nicht mehr vorstellbar.

Halb drei, es wurde Zeit zu gehen. Ich wollte für die Flugschau noch einen guten Platz zum Fotografieren ergattern.

Im Adler- und Wolfspark gibt es zwei Mal täglich die Gelegenheit, die FalknerInnen bei ihrer Arbeit mit verschiedenen Greifvögeln zu beobachten.

Die Falknerei oder Beizjagd – also das Abrichten, die Pflege und das Jagen mit Hilfe eines Greifvogels -ist kein Ausbildungsberuf. Die Berufsbezeichnung FalknerIn ist daher ungeschützt. Es wird jedoch der Falknerjagdschein benötigt.

Dessen Erwerb ist in Deutschland strenger als in anderen Ländern geregelt. Nur bei uns besteht eine doppelte Prüfungspflicht. Es muss sowohl eine Jäger- als auch Falknerprüfung abgelegt werden.

Wer seinen Lebensunterhalt mit Greifvögeln verdient, braucht außer dem Falknerjagdschein vor allem eine sehr große Liebe zu den Tieren. FalknerInnen müssen sich zeitlich komplett auf den Rhythmus ihrer Schützlinge einstellen.

Im Gegensatz zu Schauflügen sind für die Beizjagd nur bestimmte Arten zugelassen. Dazu gehören von unseren heimischen Greifen Habicht, Steinadler und Falke. Je FalknerIn dürfen höchstens zwei Greife gehalten werden.

Die über 3.500 Jahre alte Beizjagd ist seit 2010 für mittlerweile 18 Länder in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden. Auch die deutsche Falknerei ist seit 2016 dabei und darf den Titel Weltkulturerbe tragen.

Ziel der Repräsentative Listen ist,  dass das Bewusstsein für das immaterielle Kulturerbe sichtbar bleibt. Seine Bedeutung soll gestärkt und der Dialog bei gleichzeitiger Achtung der kulturellen Vielfalt gefördert werden.

Zurzeit umfasst die Repräsentative Liste 336 immaterielle kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen, darunter die tibetische Oper in China oder die Pfeifsprache El Silbo von der spanischen Kanareninsel La Gomera.

An dieser Stelle meinen Dank an den Adler- und Wolfspark für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung der Bilder. Ich hatte einen unvergesslichen Tag auf der Kasselburg!

Anfahrt:
Nachhaltig mit der Deutschen Bahn Hannover – Köln – Gerolstein. Dann die Wanderschuhe schnüren, es lohnt!

Tipp:
Wer nicht ganz so weit fahren will, kann auch im Wisentgehege Springe in der Region Hannover Flugvorführungen von Greifen und ein Rudel Wölfe besuchen. Zwar hat Springe keine Burg, dafür gibt’s im Freigehege aber eine große Bandbreite von Wildtieren zu beobachten, darunter Braunbären, Elche,  Luchse und Przewalski-Pferde.

Infos kompakt:
Adler-und Wolfspark Kasselburg
Gerolsteiner Felsenpfad
Geopark Vulkaneifel

Alles zur Falknerei
Immateriellen Kulturerbe der UNESCO
Wisentgehege Springe

 

 

 

Autor: HannoverblickOst

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6 Kommentare zu „Zwiegespräch auf der Kasselburg“

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