Auf lila Wegen

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Kontraste

Nein, so wie letztes Jahr in der Südheide sollte mir das nicht noch mal passieren. Diesmal wollte ich rechtzeitig da sein und die ganze Pracht erleben. 50% -70% je nach Standort der Heidefläche zeigte das Heideblüten-Barometer an. Ab in ein verlängertes Wochenende nach Undeloh ins Herz der Lüneburger Heide.

Als wir freitagmittags in dem kleinen Heideort ankommen, nieselt es. Kein Grund auf Erkundungstouren zu verzichten. Denn das Wetter ist gerade richtig für das über 8.000 Jahre altes Juwel, das Pietzmoor südöstlich der nahe gelegenen Stadt Schneverdingen.

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Scheinbare Extreme: feuchteliebende Glockenheide im Pietzmoor

Wir fahren auf einen der zwei Parkplätze an der Heberer Straße (L 170). Die Luft ist feucht und erinnert eher an Herbst als an einen Hochsommertag mitten im August. Die Regenmützen tief ins Gesicht gezogen laufen wir los, um bereits nach wenigen Schritten staunend stehenzubleiben.

Rechterhand liegt vor uns eine märchenhaft violett gefärbte Landschaft, die sich am Horizont in einem hellen Grau verliert.

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„zauberhafte“ Regentropfen auf dem Objektiv

Neben einigen weit ausladenden Kiefern stehen vereinzelt gut gewachsene Vogelbeerbäume in der von Bäumen eingerahmten Ebene. Ihre orangefarbenen Beeren leuchten kräftig vor dem weißen Himmel. Ein interessanter Kontrast zu den sandfarbenen Gräsern, die ihre Ähren über das blühende Heidekraut recken.

Kaum zu glauben, dass nur einige Meter hinter dieser trockenen Heidefläche das größte zusammenhängende Hochmoor der Lüneburger Heide liegt.

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Wir laufen weiter, vorbei an abgestorbenen Birken und Kiefern, die wie Marterpfahle aus den Wasserflächen ragen. Ein gutes Zeichen für die fortschreitende Renaturierung des Gebietes, denn die Pioniergehölze mögen keine nassen Füße.

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Rund 400 Jahre lang wurde das 2,5 km² Pietzmoor für die Gewinnung von Brenntorf ausgebeutet. Erst vereinzelt von den Anwohnern ohne Schäden für die Natur, dann ab Mitte des 19. Jahrhunderts systematisch maschinell mit verheerenden Folgen.

Statt leuchtendgrüner Moose zogen tiefe Entwässerungsgräben und Dämme durch das heutige Naturschutzgebiet. Der Boden trocknete aus und die moortypische Vegetation, darunter  Sonnentau, Rosmarin- und Glockenheide, Gelbe Moorlilie und Krähenbeeren, wurde immer stärker verdrängt.

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In den 1970er Jahren war damit Schluss. Der Verein Naturschutzpark (VNP) kaufte einen großen Teil der Moorflächen auf, entfernte Bäume und rückte regelmäßig mit dem Bagger aus, um die Wasserstände zu heben.

Durch die Renaturierung- und Wiedervernässung kann das siebeneinhalb Meter mächtige Hochmoor seitdem wieder wachsen, rund einen Millimeter  pro Jahr. Aber bis die Narben der Trockenlegung unter einer geschlossenen Moorfläche verschwunden sind, werden Jahrhunderte vergehen. Ein Millimeter jährlich ist nun mal nicht viel.

A-HBO-0179-Pietzmoor-schneeverdingen-lueneburger-heideMittlerweile ist der Sandweg in einen breiten Bohlenweg übergegangen. Wir laufen vorsichtig, denn das nasse Holz ist glitschig. Erst seit 2011 kann dank Zuschüssen der EU und des Landes Niedersachsen das Pietzmoor ganzjährig besucht werden. Vorher wurden die Sandwege immer mal wieder überflutet.

Heute führen zwei unterschiedlich lange Bohlenwege durch das Gebiet. Sie sind höhergelegt und so breit, dass auch noch Rollstühle und Kinderwagen Platz haben. Ganz im Sinne des 2013 ausgelaufenen Förderprogramms „Natur erleben“, das neben den Holzstegen auch zehn Informationstafeln spendiert hat. Hier erfährt man viel Interessantes über die Geschichte und die Besonderheiten des Biotops, das sogar zu Natura 2000, dem europäischen Schutzgebietsnetz gehört.

A-HBO-0181-Pietzmoor-schneeverdingen-lueneburger-heideDas letzte Stück der rund fünf Kilometer langen Rundwanderung führt durch die märchenhafte Heidelandschaft, die wir bereits am Anfang bestaunen durften. Mittlerweile ist die Sonne hervorgekommen. und Tausende von kleinen Wassertröpfchen, die sich in dem Heidekraut verfangen haben, fangen an zu funkeln.

A-HBO-0183-wassertropfen-graeserWer noch weiter auf lila Wegen wandern möchte, bleibt auf der L 170. Denn gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt die Osterheide, eine der größten Heideflächen in der Lüneburger Heide, entstanden aus einem einstigen Truppenübungsplatz.

Infos:
Übersicht Wanderung Pietzmoor
Führung Pietzmoor
Schneverdingen Touristik
Naturerlebnistouren in Niedersachsen (Förderprogramm „Natur Erleben“)
Natura 2000
VNP (Verein Naturschutzpark)

Autor: HannoverblickOst

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9 Kommentare zu „Auf lila Wegen“

    1. Ja, die beiden Extreme quietsch Grün und kräftiges Violett sind schon toll! Genieße noch die Heideblüte! Ich könnte gleich noch mal hinfahren 🙂 LG Simone

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  1. Mensch, der Regen passt irgendwie zur Heide. Hätte ich gar nicht gedacht. Das Pietzmoor finde ich aber auch ganz toll. Ich hab da vor zwei Sommern das Wort „entkusseln“ gelernt und nutze seitdem oft (allerdings falsch). 🙂

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    1. Hi Stefanie, hätte ich mir denken können, dass Du das Pietzmoor schon kennst. Ist ja auch von Hamburg nicht so weit entfernt! Momentan ist die Heide echt der Knaller. Da musst Du unbedingt hin! Die Osterheide haben wir gar nicht mehr geschafft. Wilseder Berg und Totengrund waren auch reichlich Strecke für einen erholsamen Schlaf! 😉

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